Wie archäologische Funde beweisen, ist das Gebiet von Budapest schon seit mehreren tausend Jahren ununterbrochen bewohnt. Vom 4. Jahrhundert v. Ch. lebten hier Eravisken keltischen Ursprungs, die vom Gebiet des heutigen Frankreich hierher einwanderten. Ihr Stammeszentrum war auf dem heutigen Gellértberg und in dessen Umgebung. Sie wurden ungefähr zu Beginn unserer Zeitrechnung von den Römern unterworfen.
Die Geschichte unseres Archivs ist mit der Geschichte von Budapest, sowie mit den Veränderungen in der Verwaltung und in den amtlichen Funktionen engstens verbunden.
Über das Leben und die Verwaltung der Stadt in der Periode vor der Befreiung von den Türken - 1686 - haben wir nur Angaben aus sekundären Quellen, da die Schriften der beiden Städte, Buda und Pest während der Befreiungskämpfe fast völlig vernichtet worden sind. Aus diesen Jahrhunderten sind nur Duzende Urkunden und Stadtdokumente erhalten geblieben. Das älteste Dokument, über welches unser Archiv verfügt, ist eine Urkunde aus dem Jahre 1300.
In den Jahren unmittelbar nach der Befreiung von der Türkenherrschaft standen Buda und Pest unter einer direkten Leitung der Schatzkammer. Die der königlichen Kammer unterordneten städtischen Behörden bewahrten die Unterlagen, die im Laufe ihrer Tätigkeit entstanden, ferner die Dokumente, die die Rechtlage der einzelnen Bürger beinhalteten, entweder in der Wohnung des Leiters der Stadtkanzlei, d.h. des für alle Schriftsachen zuständigen Notars, oder bei einem der Hauptbeamten auf, wo zu diesem Zweck Schränke und Laden zur Verfügung standen, um so mehr, weil es damals noch kein Stadthaus gab. Mit der Aufbewahrung und Bearbeitung wurden die Angestellten der städtischen Kanzlei beauftragt.
1703 bekamen Buda und Pest ihre alten Stadtrechte als königliche Städte wieder zurück, aber die Umstände blieben lange noch unverändert, indem die Kanzleien, die auch für das Archiv sorgten, nicht einmal einen selbständigen Raum hatten.
Die erweiterten Aufgaben der Stadtverwaltung, die mehr und mehr differenziert werdenden Tätigkeiten in der Hinsicht auf Rechtssachen, Rechtsversicherungen, Stadtgüter machten im Laufe dieses Jahrhundertes das fachmäßig geregelte Inevidenzhalten des inzwischen entstandenen schriftlichen Materials beinahe unentbehrlich, wobei man auch für die Vorbedingungen der zuverläßlichen Aufbewahrung des Schriftenmaterials und die Arbeitsstellen verantwortlicher Archivare sorgen mußte.
Daher wurden in der zweiten Hälfte des Jahrhundertes Stadtbeamten ernannt. In dieser Eigenschaft kennen wir als Ersten einen gewissen András Pscherer, der 1776 in Buda auftaucht. Von dieser Zeit an wird der Archivar als einer der führenden Stadtbeamten anerkannt, dessen Ansehen fortwährend zunimmt und der mit seinen Unterstellten für die aktuellen Aufträge sorgt, die aus der Aufbewahrung und dem Inevidenzhalten der Dokumente folgen, ferner mit dem eigentlichen Stadtarchiv und mit den dort auszuführenden Arbeiten zusammenhängen.
Unter der Herrschaft von Joseph II. versuchte man ein neues, einheitliches Aufbewahrungs - und Behandlungsystem des archivarischen Materials einzuführen. Zu dieser Zeit schuf man die Aufteilung der Unterlagen, die auch heute noch gilt. Eine weitere Differenzierung des Archivsystems ergab sich aus der Trennung der Verwaltungsarchive von den Gerichtsarchiven, die 1813 erfolgte. In den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde die moderne Methode der Schriftenbehandlung eingeführt.
Das Archivsystem, das man zur Zeit der Vereinigung der drei Städte, Buda, Pest und Óbuda verwendete, beruhte auf die früher herausgearbeiteten Prinzipien. Für die archivarischen Angelegenheiten sorgt nun ein abgesondertes Organ, im Vordergrund seiner Tätigkeit stehen aber immerhin tagtägliche Beschäftigungen mit dem Schriftenmaterial.
Gesichtspunkte der archivarischen Aufgaben wissenschaftlicher Natur wurden erst in den 1880er Jahren richtig in Betracht gezogen, als die Generalversammlung der Haupstadt eine prinzipielle Verordnung erließ, nach welcher das Archiv verpflichtet wurde, den Schwerpunkt auf die Erschließung und Mitteilung der vorhandenen Dokumente zu setzen. In dieser Sache konnte man aber erst1901 etwas fortschreiten, als das Archiv für ein Fachamt erklärt wurde, wobei es auch den aktuellen Tätigkeiten um die Schriftenbehandlung los werden konnte, indem sein Fachbereich auf die Aufbewahrung und Behandlung der Unterlagen beschränkt wurde, die wenigstens 15 Jahre alt waren. Eine übergehende Verbesserung der ärmlichen Umstände brachte die Zentralisation der früher in mehreren Lagern verteilten Schrifteneinheiten mit, die an der Jahrhundertwende im Gebäude des Zentralen Rathauses einen zufriedenstellenden Platz fanden. Die geringe Zahl des Personals beschränkte aber alle wissenschaftlichen Bestrebungen ganz bis zu den letzten Zeiten, obwohl der Oberarchivar in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen immer noch zu den ansehlichsten Oberbeamten der Hauptstadt gehörte. Von den Verwüstungen des zweiten Weltkriegs wurde auch der Bestand des Archives nicht geschont geblieben und die Tatsache, daß nur ungefähr ein Viertel des gesamten Materials vernichtet wurde, ist einzig und allein jener Verordnung der Luftabwehr zu verdanken, laut welcher ein Großteil der Schriften in die riesengroße Unterkirche der Sankt Stephan Basilica, der größten Kirche in Budapest unterbracht und sicher gestellt wurde. Die meisten Dokumente, die die Belagerung von Budapest hier übergelebt hatten, schlummerten weitere Jahrzehnte im nassen Kellergeschoß, wo auch verschiedene Pilzsorten hausten, und woher man den Stoff erst 1991 restlos hinausretten konnte.
Infolge der Verwaltungstreformen nach der kommunistischen Machtübernahme veränderten sich 1950 die organisatorischen Umstände auch ums Archiv. Das Archiv wurde verstaatlicht, es verlor seine amtliche Selbständigkeit, indem es einer staatlichen Verwaltungsstelle unterordnet wurde. Seinen Sammelbereich erweiterte man unermäßlich. Während ihm früher als einem Fachamt der Hauptstadt nur vorgeschrieben wurde, die Unterlagen der Stadtbehörde überzunehmen, mußte es von dieser Zeit an in der Eigenschaft eines regionalen Archivs allerlei Dokumente sammeln, die von Räten, staatlichen Institutionen, Genossenschaften, oder sogar privaten Personen stammten.
Die unmittelbare staatliche Aufsicht wurde 1968 aufgehoben. Seitdem gehört unser Archiv wieder einmal dem Magistrat der Hauptstadt, d.h. der zuständigen Ortsverwaltung.
In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten zeigte sich eine umgreifende Entwicklung, besonders was die Zunahme der Belegschaft, die Veröffentlichungen, die stadtgeschichtlichen und kulturellen Aufgaben anbelangt, dafür waren diese efreulichen Ereignisse der internen Facharbeit nicht immer zum Nutzen.
In den letzten Jahren fühlen sich die Mitarbeiter des Archivs wie ausgefordert, die wertvollen Quellen im Besitz des Archivs zu erschließen, den Erwartungen in der Hinsicht auf ihre praktische Verwendbarkeit nachzugehen und zugleich auch die Ansprüche zu erfüllen, die der demokratische Umwandlungsprozeß in der Verwaltung erfordert.










